Lieber Michael,
Konkret hat durch diese Denkansätze Origenes die Allversöhnung entwickelt.
Augustinus meinte in einigen Passagen bei Paulus das Höhlengleichnis von Platon wiederzufinden, z.B. in dem undeutlichen Sehen in 1. Kor. 13. So, wie Platon versucht die wirkliche Wahrheit hinter Wahrnehmung zu entdecken, so versucht der Theologe, beginnend mit Augustinus, die tatsächliche Bedeutung hinter den Worten der Bibel zu entdecken.
Man muss Geistlicher, also Eingeweihter, sein, um die Bedeutung biblischen Textes angeben zu können. Im Gunde genommen unterstellt dieser Ansatz: Gott kann in seinem Wort nicht sagen was er meint, er braucht Interpreten.
Um "falsche", spricht wortwörtliche, Interpretationen zu vermeiden hat man dem Volk, "das dass Gesetz nicht kennt", erst einmal das Bibellesen verboten, natürlich wissend, dass jeder, der nicht platonisch oder platonistisch verseucht ist, sofort merkt, dass das Ganze Lehrgebäude nur Lug und Betrug ist.
Augustinus hat z.B. die Bedeutung von "Philosophie" umgedeutet. Damit konnte er Kolosser 2,8

(von Thomas angeführt) stehen lassen. Trotzdem wird, beginnend mit Augustinus, in Bibelschulen und theologischen Seminaren Philosophie gelehrt. In der BRD hast du das heute schon in "gutem" Religionsunterrricht" am Gymnasium. Als ich ausgehend von Apg. 17 wissen wollte was epikuräische Philosophen sind, hat mir meine Tochter ihr Schulheft gegeben.
Weiter hat Augustinus die theologische Grundlage für das Christentum als Staatsreligion geliefert. Das musst du dir einfach einmal in Ruhe überlegen. Unendlich viele Bibelstellen sprechen davon das wir hier keine bleibende Stadt haben, dass unser Bürgertum in den Himmeln ist, dass wir hier Fremdlinge und ohne Bürgerrecht sind, usw. Augustinus ficht das alles nicht an, denn der erkennt die wirkliche Bedeutung hinter den Schattenbildern.
Tatsächlich ist das Ergebnis auf den ersten Blick überwältigend. Oberflächlich betrachtet verschwindet kurz nach Augustinus das komplette Heidentum aus dem dann christianisierten Europa. Wenn man aber genauer hinsieht, dann ist gar nichts verschwunden. Auf der Grundlage der Theologie von Augustinus ist das komplette Heidentum in der christianisierten westlichen Welt untergeschlüpft.
Bei einer genaueren Untersuchung kann man sehr leicht feststellen, dass die Zustände, wie sie in Römer 1 ab Vers 18-32 beschreiben werden, die Zustände bei den Anhängern der Akademie Platon's waren, in Römer 2 hast du dann das Urteil über die ethisch höher stehende Schule Epikurs. Beide hatten eins gemeinsam, Sie behaupteten es gäbe keinen Gott.
Plötzlich finden wir im 2. Timmotheusbrief eine Zustandbeschreibung der Christenheit in den letzten Tagen. Dieser Zustand deckt sich weitgehend mit der Zustandsbeschreibung die auf die Anhänger der Akademie Platon's zutrifft. Ich denke die Ursache ist eigentlich jedem klar. Die Philosophie Platons ist durch Augustinus christlicher Leitgedanke geworden.
In seiner Predigt über Augustinus hat John Piper folgende Passage: (Jeder der Englisch kann, kann sich die Predigt als mp3 herunterladen)
"Wenn ein junger Mann mit seiner Freundin zusammenzieht und beginnt Platon zu lesen, freue dich! Nicht das du ihn dazu ermuntern solltest, aber es könnte der Anfang seiner Errettung sein!"
Er stellt dabei ganz eindeutig den Beginn des Bekehrungsprozesses von Augustinus (dieser vermeintliche Prozess hat weit über 10 Jahre gedauert) an den Punkt, als Augustinus eine uneheliche Beziehung einging, aus der auch sein Sohn hervorging. Gleichzeitig began Augustinus Platon zu lesen.
In dieser Predigt über Augustinus kannst du dann auch lernen, dass John Piper sich darüber freut, das sein eigener Baum, der "christliche Hedonismus" in so tiefem Grund gepflanzt ist.
Ja, der Hedonismus hat tasächlich seine Wurzeln in der Schule von Sokrates und Platon, dass kann man nur bestätigen. Darum ist das die aktuellste Irrlehre, die von der Pflicht zur Freude.
herzliche Grüße
Ulrich
P.S. Die Wahrheit von der Entrückung der Versammlung verschwand dann ungefähr zeitgleich aus den Glaubensüberzeugungen. Das stand zwar so in der Bibel, "dem Herrn entgegen in die Luft", aber der Sinn hinter dem "Schattenbild" war ein anderer.