FragenbeantwortungHilfe + Nahrung Jahrgang 1987 - Seite: 124 - Verfasser: Werner MücherInwieweit haben wir in dieser Zeit mit dem neuen Bund zu tun? Ich habe gelernt, daß der neue Bund nur mit Israel zu tun hat. B. V. aus S.
Der alte Bund (des Gesetzes) war ausschließlich mit dem Volk Israel geschlossen. Da Israel diesen Bund jedoch gebrochen hat, hat Gott in Jeremia 31,31-34

diesem Volk einen neuen Bund verheißen. In Hebräer 8 werden der neue und der alte Bund eingehend einander gegenübergestellt. Dort ist die Rede von dem ersten und zweiten bzw. neuen oder besseren Bund.
Jeder Bund hat zwei Seiten. Einerseits gibt Gott Verheißungen, andererseits erwartet Er etwas von denen, mit denen Er den Bund geschlossen hat. Bei dem alten Bund des Gesetzes versprach Gott dem Volk Segen und verhieß ihnen Leben (3. Mo 18,5

), sofern sie ihrerseits das Gesetz befolgen würden. Im neuen Bund erwartet Gott aber nichts mehr von dem Menschen oder, besser ausgedrückt, hat Er alle Forderungen, aufgrund derer Er den Menschen segnen kann, in dem Werk des Herrn Jesus erfüllt. Das ist ein wichtiger Punkt. Man hört manchmal, daß der neue Bund einseitig sei und nur aus Gnade bestehe. Das ist nur die halbe Wahrheit. Gott kann jetzt Gnade üben, weil Er vollkommen befriedigt ist durch das Werk Christi. Darum sind auch die Segnungen und die Verheißungen des neuen Bundes unauflöslich und ewig.
Wenn der neue Bund nach Jeremia 31 auch formell mit Israel geschlossen werden wird, heißt das aber nun nicht, daß wir mit dem neuen Bund nichts zu tun hätten. Buchstäblich gilt der Bund für Israel. Geistlicherweise gilt er jedoch in weitaus tieferem Sinne für uns. Das wird dadurch sehr deutlich, daß Hebräer 8 den neuen Bund auf Christen aus den Juden anwendet.
Siebenmal heißt es in Hebräer 8 „ich werde" oder „ich gebe":
a) Ich werde in bezug auf das Haus Israel und in be-zug auf das Haus Juda einen neuen Bund vollziehen (Vers 8).
b) Denn dies ist der Bund, den ich dem Hause Israel errichten werde (Vers 10).
c) Indem ich meine Gesetze in ihren Sinn gebe (Vers 10).
d) Ich werde sie auch auf ihre Herzen schreiben (Vers 10).
e) Ich werde ihnen zum Gott sein (Vers 10).
f) Denn ich werde ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein (Vers 12).
g) Ich werde ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten nie mehr gedenken (Vers 12). a u. b) beziehen sich auf das formelle Bündnis mit Israel;
c u. d) beziehen sich buchstäblich auf Israel (sie werden dann das Gesetz halten). In der geistlichen Anwendung auf uns schreibt der Geist Gottes nicht das Gesetz in unsere Herzen und Sinne, sondern Christus, sodaß wir ein Brief Christi werden (2. Kor 3,3

);
e) bezieht sich in weitaus tieferer Bedeutung auf uns, Gott ist nicht nur unser Gott, sondern auch unser Vater;
f u. g) ist für Israel zukünftig und hat sich in bezug auf uns bereits vollkommen erfüllt (siehe die Wiederholung dieser Verse in Hebräer 10,16-18

).
2. Kor 3,6

bestätigt, daß der neue Bund zwar buchstäblich mit Israel geschlossen wird, daß aber die Apostel (und im besonderen Paulus als Apostel der Nationen) Diener des neuen Bundes waren. Somit findet der neue Bund in der geistlichen Bedeutung volle Anwendung auf Gläubige der jetzigen Zeit. Es ist nicht so, daß dadurch, daß der Bund buchstäblich mit Israel geschlossen wird, die Gläubigen der Versammlung in den Hintergrund treten. Gerade das Gegenteil ist der Fall: in der geistlichen Anwendung des neuen Bundes überragen unsere Segnungen die des Volkes Israel bei weitem.
Der Dienst des neuen Bundes teilt sich übrigens in zwei Teile auf (2. Kor 3,8

. 9): den Dienst der Gerechtigkeit (das bezieht sich auf die Sündenvergebung, vgl. f) und g)) und den Dienst des Geistes (das bezieht sich auf das Wirken des Geistes in uns, vgl. c) und d)). Bemerkenswert ist noch die Tatsache, daß der Herr bei der Einsetzung des Abendmahls überall von diesem (neuen) Bund spricht. Hätten wir jedoch nur die Evangelien, könnten wir noch nicht mit Sicherheit sagen, daß der neue Bund auch volle Gültigkeit für die Christenheit hat, weil die Jünger auch ein Bild des jüdischen Überrestes sind. Doch Paulus wendet diese Worte in 1. Kor 11,25

ausdrücklich auf uns an. Außerdem wird dieser neue Bund in Hebräer 13,20

der „ewige Bund" genannt.
Zusammenfassend können wir also sagen:
1. Der neue Bund wird formell mit Israel geschlossen und geistlich auf die Christenheit angewendet.
2. Paulus nennt die Apostel und sich im besonderen „Diener des neuen Bundes".
3. In den Berichten über die Einsetzung des Abendmahls hören wir den Herrn jedesmal von dem Blut „des neuen Bundes" sprechen (Mt 26,28

; Mk 14,24

; Lk 22,20

).
4. Paulus gebraucht diesen Ausdruck in 1. Kor 11,25

ebenfalls in Verbindung mit dem Abendmahl.
5. Der neue Bund ist ein „ewiger Bund" und geht somit über das zeitgebundene Volk Israel hinaus, denn im ewigen Zustand gibt es keine Völker mehr.